Getränkeakademie
Weinwissen
Rebsorten, Terroir, Vinifikation, Sensorik und die Kunst des Food Pairing — auf Sommelier-Niveau.
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Weinetiketten lesen und verstehen
Das Weinetikett ist die Visitenkarte des Weins und enthält — wenn man es zu lesen versteht — enorm viel Information über Herkunft, Qualität, Stil und Jahrgang. Die Pflichtangaben sind EU-weit geregelt (VO 1308/2013 und VO 607/2009), die freiwilligen Angaben variieren je nach Land und Tradition.
Pflichtangaben (EU): Verkehrsbezeichnung (z. B. "Qualitätswein", "Landwein", "Deutscher Wein"). Herkunftsland (z. B. "Produkt von Deutschland", "Product of France"). Anbaugebiet (bei Qualitätswein, z. B. "Pfalz", "Rheinhessen", "Bordeaux"). Alkoholgehalt (% Vol., Toleranz ±0,5 %). Nennvolumen (z. B. 0,75 l). Abfüller (Name und Anschrift, z. B. "Erzeugerabfüllung" = Winzer füllt selbst ab). Losnummer (L + Nummer für Rückverfolgbarkeit). Allergene: "Enthält Sulfite" (wenn >10 mg/l SO₂). Seit 2023 NEU: Nährwertdeklaration und Zutatenliste (darf auch als QR-Code/Link angegeben werden).
Wichtige freiwillige Angaben: Jahrgang: Das Jahr der Traubenernte (mind. 85 % der Trauben müssen aus diesem Jahr stammen). Kein Jahrgang = Verschnitt mehrerer Jahre (typisch für Champagner NV, Port). Rebsorte: Bei EU-Weinen freiwillig (mind. 85 % der genannten Sorte müssen enthalten sein). In Deutschland, Elsass, Österreich, Neuseeland üblich. In Frankreich (Bordeaux, Burgund, Rhône) wird die Herkunft statt der Rebsorte betont. Geschmacksangabe: Trocken, halbtrocken, lieblich, süß. Lage/Einzellage: "Bernkasteler Doctor", "Forster Kirchenstück" — je spezifischer, desto höher die Qualität. Qualitätsstufe/Prädikat: Kabinett, Spätlese, Auslese etc.
Länder-spezifische Begriffe: Frankreich: AOP/AOC (geschützte Herkunft), Château (Weingut in Bordeaux), Domaine (Weingut in Burgund), Mis en bouteille au château/domaine (Gutsabfüllung), Cru Classé, Grand Cru, Premier Cru. Italien: DOC/DOCG, Classico (historisches Kerngebiet), Riserva (verlängerte Reifung), Superiore (höherer Alkohol). Spanien: DO/DOCa, Crianza/Reserva/Gran Reserva, Cosecha (Jahrgang), Viñedo (Einzellage). Deutschland: VDP-Adler (Große Lage, Erste Lage), Erzeugerabfüllung, Gutsabfüllung, Ortswein, Gutswein.
Etiketten-Tricks erkennen: "Abgefüllt für..." (= Handelsmarke, nicht der Erzeuger). Fantasienamen ("Sonnenwinzer Goldtröpfchen") sagen nichts über Qualität. Schwere Flaschen ≠ besserer Wein (aber höherer CO₂-Fußabdruck). Medaillen (Berliner Wein Trophy, Mundus Vini) sind hilfreich, aber inflationär vergeben. Goldene Regel: Der Ort/Lage auf dem Etikett ist wichtiger als der Markenname.
Quiz — Frage 1 von 3
0/0 richtigWas bedeutet 'Erzeugerabfüllung' auf einem deutschen Weinetikett?
