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Jurgensstraße 20Nederlands

Getränkeakademie

Weinwissen

Fortgeschritten · ca. 50 Min. · 25 Lektionen + Abschlusstest

Rebsorten, Terroir, Vinifikation, Sensorik und die Kunst des Food Pairing — auf Sommelier-Niveau.

Lektion 15 von 25 · 0 Quiz abgeschlossen

Weißwein, Rotwein und Rosé zur Verkostung · Themenbild

Weinsensorik — Professionell verkosten

Professionelle Weinverkostung folgt einem systematischen Protokoll: SEE — SMELL — SIP — SPIT/SWALLOW — SUMMARIZE. Bei einer professionellen Verkostung wird der Wein ausgespuckt (Spitting), um die sensorische Wahrnehmung über viele Weine hinweg zu erhalten. Das richtige Glas ist entscheidend — das ISO-Verkostungsglas (genormt nach ISO 3591) hat eine Tulpenform, die Aromen konzentriert.

PHASE 1: SEHEN (Visuell) — Glas gegen einen weißen Hintergrund, 45° geneigt. Farbintensität: Blass, mittel, tief/dunkel. Farbton bei Weißwein: Grünlich-gelb (jung) → Strohgelb → Goldgelb → Bernstein (alt/oxidiert). Farbton bei Rotwein: Purpur/Violett (jung) → Rubinrot → Granatrot → Ziegelrot → Braun (alt). Rand (Meniskus): Am Glasrand wird die Farbe heller — bei alten Rotweinen zeigt der Rand Ziegelrot bis Braun (fortschreitende Polymerisation der Anthocyane). Klarheit: Brillant, klar, leicht trüb (bei Naturwein akzeptabel), trüb (bei konventionellem Wein ein Fehler). Kirchenfenster/Tränen (Marangoni-Effekt): Langsam ablaufende, dickere Schlieren deuten auf höheren Alkohol- und/oder Zuckergehalt hin.

PHASE 2: RIECHEN (Olfaktorisch) — Erster Eindruck (ohne Schwenken): Flüchtige, leichte Aromen. Nach dem Schwenken (Belüftung): Komplexere, schwerere Aromen treten hervor. Intensität: Leicht, mittel, ausgeprägt. Aromenklassifikation: Primäraromen (rebsortenspezifisch): Frucht, Blumen, Kräuter — direkt aus der Traube. Sekundäraromen (Vinifikation): Hefe, Butter, Brioche (Hefelager), Vanille, Toast (Eichenfass). Tertiäraromen (Reifung): Leder, Tabak, Unterholz, Pilz, Trüffel, Honig, Nuss, Petrol.

PHASE 3: SCHMECKEN (Gustatorisch/Taktil) — Antrunk: Erster Eindruck auf der Zunge. Mittelgaumen: Fülle, Körper, Textur. Abgang/Finish: Wie lange und was klingt nach? Langes Finish (>10 Sekunden) = Qualitätszeichen. Die fünf geschmacklichen Komponenten: Süße (Restzucker) — vorne auf der Zunge. Säure (Weinsäure, Apfelsäure, Zitronensäure) — seitlich, Speichelfluss. Tannin (Gerbstoff, nur bei Rotwein relevant) — adstringierend, trocknend auf Zahnfleisch und Innenwangen. Alkohol — Wärme, Viskosität, Volumen. Umami/Mineralität — schwer zu definieren, aber erfahrbar.

PHASE 4: GESAMTURTEIL — Balance (sind alle Komponenten harmonisch?), Komplexität (Vielschichtigkeit der Aromen), Länge (Abgang), Typizität (entspricht der Wein seiner Herkunft/Rebsorte?), Alterungspotenzial. Punktesysteme: Robert Parker/Wine Advocate (100 Punkte), James Suckling (100 Punkte), Jancis Robinson (20 Punkte), Falstaff, Gault Millau, Decanter. Die Skalen sind umstritten — letztlich zählt: Trink was DIR schmeckt!

Quiz — Frage 1 von 3

0/0 richtig

Was bedeutet ein langer Abgang/Finish bei einem Wein?