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Getränkeakademie

Bierwissen

Fortgeschritten · ca. 120 Min. · 25 Lektionen + Abschlusstest

Vom Rohstoff bis ins Glas — Brauprozess, Bierstile, Sensorik, Food Pairing und regionale Besonderheiten auf Biersommelier-Niveau.

Lektion 2 von 25 · 0 Quiz abgeschlossen

Helles, bernsteinfarbenes und dunkles Bier im Glas · Themenbild

Der Brauprozess Schritt für Schritt

Vom Korn zum Bier — Die sieben Schritte

1. Schroten — Das Malz wird in einer Schrotmühle grob zerkleinert. Die Spelzen müssen dabei intakt bleiben, denn sie dienen später als natürlicher Filter beim Läutern. Zu feines Schrot führt zu einem verstopften Läuterbottich, zu grobes Schrot zu schlechter Ausbeute. Moderne Brauereien verwenden Vier- oder Sechswalzenmühlen, die eine präzise Einstellung der Spaltbreite ermöglichen. Die Qualität des Schrotens hat direkten Einfluss auf die Effizienz des gesamten Brauprozesses.

2. Maischen — Das geschrotete Malz wird mit warmem Wasser vermischt. Diese Mischung nennt man Maische. Sie wird stufenweise auf verschiedene Temperaturen erhitzt, bei denen unterschiedliche Enzyme aktiv werden: Die Eiweißrast (50–52°C, 10–15 Min.) baut Eiweiß ab und verbessert die Schaumstabilität. Die Maltoserast (62–65°C, 30–45 Min.) aktiviert die Beta-Amylase, die vergärbaren Zucker (Maltose) produziert — das Ergebnis ist ein trockeneres Bier mit höherem Alkoholgehalt. Die Verzuckerungsrast (70–76°C, 15–30 Min.) aktiviert die Alpha-Amylase, die unvergärbaren Zucker produziert — das Ergebnis ist ein vollmundigeres, süßeres Bier. Durch die geschickte Wahl der Rasttemperaturen und -zeiten steuert der Brauer den Charakter des fertigen Bieres. Man unterscheidet das Infusionsverfahren (gleichmäßiges Aufheizen) vom Dekoktionsverfahren (ein Teil der Maische wird entnommen, gekocht und zurückgeführt).

3. Läutern — Die Maische wird im Läuterbottich gefiltert. Die Spelzen bilden einen natürlichen Filterkuchen, den Treberkuchen. Die klare Flüssigkeit, die durchläuft, heißt Würze. Zunächst wird die Vorderwürze gewonnen (zuckerreich), dann wird der Treber mit heißem Wasser übergossen (Nachgüsse), um restlichen Zucker auszuwaschen. Der Treber wird als Tierfutter verwendet oder in Bäckereien zu Treberbrot verarbeitet.

4. Würze kochen — Die Würze wird 60–90 Minuten kochend gehalten. Dabei geschehen mehrere wichtige Prozesse: Die Hopfengabe (Bitterhopfen früh, Aromahopfen spät), die Eiweißausscheidung (Heißtrub), die Sterilisierung der Würze, die Verdampfung unerwünschter Aromastoffe wie DMS (Dimethylsulfid, das nach Dosenmais riecht), und die Maillard-Reaktion, bei der Zucker und Aminosäuren reagieren und zur Farbvertiefung und Geschmackskomplexitt beitragen. Die Kochintensität (Verdampfungsrate) beeinflusst Farbe, Geschmack und Haltbarkeit.

5. Whirlpool und Kühlen — Nach dem Kochen wird die heiße Würze im Whirlpool in Rotation versetzt. Durch die Zentripetalkraft sammelt sich der Heißtrub (ausgefallenes Eiweiß, Hopfenreste) in der Mitte als Kegel. Die klare Würze wird seitlich abgezogen und über einen Plattenkühler schnell auf Anstelltemperatur gekühlt: bei untergärigen Bieren auf 6–8°C, bei obergärigen auf 18–22°C. Schnelles Kühlen ist wichtig, um DMS-Bildung und Infektionen zu vermeiden.

6. Gärung — Die gekühlte Würze wird in den Gärtank gefüllt und die Hefe zugegeben — man spricht vom Anstellen. Die Hauptgärung dauert 5–10 Tage, währenddessen der Großteil des Zuckers in Alkohol und CO₂ umgewandelt wird. Temperaturkontrolle ist entscheidend: Zu hohe Temperaturen führen zu unerwünschten Nebenprodukten wie Fuselölen und übermäßigen Estern. Während der Nachgärung und Reifung (Wochen bis Monate) werden Nebenprodukte wie Diacetyl (Butteraroma) von der Hefe wieder abgebaut, und der Geschmack wird runder und harmonischer.

7. Filtration und Abfüllung — Die meisten Biere werden filtriert, um Heferückstände und Trubstoffe zu entfernen. Naturtrübe Biere wie Kellerbier oder Hefeweizen werden unfiltriert abgefüllt. Bei der Abfüllung wird der CO₂-Gehalt eingestellt und das Bier bei Industriebieren pasteurisiert. Handwerkliche und regionale Biere werden häufig unpasteurisiert belassen, was ihnen eine begrenztere Haltbarkeit, aber ein lebendigeres Aroma verleiht.

Quiz — Frage 1 von 3

0/0 richtig

Was passiert bei der Maltoserast (62–65°C)?